Unsere Gärten als Halt in der globalen Krise

Unsere Gärten als Halt in der globalen Krise

In Zeiten der Krise werden weltweit verborgene Schätze gesucht, ausgegraben und genutzt. Ein enger Kontakt zu unseren Gartenpflanzen ist ein kultureller Schatz, den viele Deutsche beibehalten haben. Uns ist gar nicht bewusst, wie viel dies bedeutet.

Kartoffeln aus Kleingärten haben während der harten Nachkriegszeit das überleben vieler Familien gesichert. Auch für kommende Krisen – und da kann noch einiges kommen – sind unsere Kleingärten ein wunderbarer produktiver Schatz, der die Selbstversorgung und das Überleben sichern kann.

Unsere enge Beziehung zu Pflanzen gibt uns Halt.

Wie freue ich mich über die stolze Präsentation meiner Freundin des selbst gezogenen Kürbis, der eine sagenhafte Suppe ergab, über die Fülle auf dem Feigenbaum meiner Tante, über den liebevoll gepflegten Quittenbaum meines Vaters, dessen Früchte wir ernten durften. Das eigene Gemüse und Obst zu essen bringt Freude, macht ein bisschen Stolz und schmeckt ganz besonders. Wir wissen wo es herkommt und es ist überhaupt der beste Lohn für alle Gärtnermühen.

Hausgärtnern, Ökogärtnern, Großstadtgärtnern, Guerilla Gardening. Die Kleingärten der neuen grünen Welt blühen und gedeihen.

Und wie ist dies im globalen Süden? In Afrika, Lateinamerika, Asien? Für viele Landfamilien in Selbstversorgung ist die Krisensituation zum Alltag geworden: Sie spüren, dass der enge Kontakt zu ihren Pflanzen unabhängig von Marktpreisen und Entwicklungshilfe ist. Der wahre Reichtum kommt aus der Natur und da haben sie die besseren Karten als wir im Norden: Tropische Natur ist ca. vier mal produktiver als Natur in weiten Teilen des Nordens. Sie leben im Paradies.

Wirklich arm ist die Stadtbevölkerung, die landlosen Bauern und Wanderarbeiter. Sie verlieren ein wichtiges kulturelles Gut, den Kontakt mit den Nahrungspflanzen. Angesteckt vom globalen Konsumwahn geben Jugendliche ihren Tageslohn lieber für das neuste Handymodel aus, als für eine gute Ernährung. Erstaunlich, doch das passiert im Süden genauso wie im Norden.

Das Handy gibt uns zwar Prestige, doch Kraft gibt es uns nicht. Unsere Lebenskraft ziehen wir aus den Pflanzen, die uns Nahrung sind. Ich bin sicher, dass das im Innersten jeder zu schätzen weiß.

Danke an alle Kleingärtner/innen der Welt!

Mythische Wesen als Symbol ökologischen Handelns

Mythische Wesen als Symbol ökologischen Handelns

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit Ökologie und Naturschutz, kenne viele naturwissenschaftliche Bereiche und Theorien. Artensterben, Klimawandel, Waldrodung, Ausbeutung der Ressourcen, Versiegelung von Flächen, verschwindende Vernetzung ökologischer Systeme. Immer wieder stellte ich mir die Frage, wie wir eine Verbindung schaffen können zwischen menschlichem Handeln und einer nachhaltigen Nutzung der Natur.

Ich studierte soziale und psychologische Modelle des aktiven Naturschutzes. Dabei wurde mir mehr und mehr klar, dass wir Natur nur wirklich schützen können, wenn wir ein Gefühl dafür entwickeln, wie stark sie mit uns verbunden ist. In der alten Mythologie fand ich eine Stütze, die uns hilft, dieses Gefühl zu stärken: Die Naturelfen.

Wenn wir an die Elfen denken, die ein Stück Natur beleben, bekommt diese Natur einen magischen Glanz. Unsere Sichtweise verändert sich. Wir stellen uns im Wald die kleinen Wohnkammern von Pilzelfen vor oder die Erdräume von Wurzelelfen. Direkt in unserem Garten könnten die Salbeielfen wohnen oder die Ahornelfen in der Allee vor unserem Haus. Die Natur bekommt eine andere Lebendigkeit. Schon trauen wir uns nicht mehr, grob in die Natur einzugreifen, etwas zu zerstören, dass wir ja in Wirklichkeit gar nicht kennen, was uns nicht die Beste Wissenschaft im Detail erklären kann.

Oft trennen wir die Reiche. Es gibt die Phantasie, da ist alles perfekt und die Wirklichkeit, da kommen die unsichtbaren Naturwesen ja eh nicht vor. Doch die Wahrheit liegt, wie immer, irgendwo dazwischen. Phantasie ist eine Brücke, sie verbindet die perfekte Traumwelt mit der Realität, zeigt uns durch ihr Wirken immer wieder erneut, dass Alles möglich ist. Wir müssen es uns nur Vorstellen.

Die Phantasie ist ein Sensor für das Naturgefüge. Die Elfen können uns in ihrem Wirken unterstützen, Feingefühl für neue Möglichkeiten zu entwickeln. Liebevoll mit der Natur umzugehen und reich von ihren Schätzen zu Ernten.

Holger Daub beschreibt seiner Diplomarbeit an der Universität Kassel, wie der Mythos der Elfen die ökologsiche Landwirtschaft beleben kann: „Zum Wesenhaften der Natur – Versuch einer Annäherung“

Einen Gemüse- und Kräutergarten anlegen

Einen Gemüse- und Kräutergarten anlegen

Wer noch nie gegärtnert hat, denkt sich sicherlich, es dauert Jahre, es zu erlernen. Dauert es auch. Denn erst nach vielen Jahreszeiten, nach erlebtem Wandel, kann man sich richtig auf sein Stück Garten einstellen. Doch genauso wie ein Blogger mit dem ersten veröffentlichten Artikel bereits ein Blogger ist, ist ein Gärtner mit der ersten gepflanzten Pflanze ein Gärtner. Durch stetiges Beobachten kann dann der ganz individuelle Gärtnerstil gefunden und von Mal zu Mal ausgebaut werden.

Ort des Gartens

Ein Gemüse- und Kräutergarten kann an jedem Ort angelegt werden. Er kann im Vorgarten, in einer Baumfassung am Strassenrand oder als Balkon- oder Fenstergarten in der Stadtwohnung gestaltet werden.

Gartendesign

Wichtig ist beim Design des Gartens auf die Sprache der Natur zu hören. In welches Umfeld richte ich meinen Garten ein, welche Elemente würden dazu passen? Auch auf Brachflächen haben sich bereits passende Wildpflanzen eingerichtet, die nicht einfach als Unkraut rausgerupft werden müssen. Bei der Übernahme eines Gartens kann im ersten Jahr hauptsächlich der Verlauf der Vegetation beobachtet werden, da sich häufig Pflanzen unter der Erde befinden.

Saatgut

Die Einfachste Art, lokal angepasste Samen zu bekommen, ist, einen erfahrenen Nachbargärtner um eine Auswahl zu bitten. Häufig freuen sich Gärtner über den Austausch mit anderen Gärtnern und man stosst auf Offenheit. Ein Grossteil unsere Kulturflanzenvielfalt wird von Kleingärtnern erhalten, daher ist es immer von Vorteil für die Artenvielfalt, wenn weitere Gärtner an dieser Arbeit teilhaben. Viele Pflanzen, z.B. Kräuter lassen sich auch leicht vegetativ vermehren. Biogemüse wie Tomaten und Paprika tragen die Samen in sich, bei anderen Arten ist die Samengewinnung aufwändiger. Zum Kauf von Saatgut und Kräutern empfehle ich die ökologische Bingeheimer Saatgut AG, LaBio und Lilatomate.

Loslegen

Auf Komposterde oder Mutterboden kann nun ausgesät werden. Keine Angst Fehler zu machen, denn diese sind zum Lernen da. Die Natur, unsere grösste Lehrerin zeigt uns durch ihr Verhalten, welche Pflanzen welche Erde und welche Lichtbedingungen mögen. Für Details lohnt es sich auch, in einem guten Gartenbuch zu schmökern. Ein lockerer, leicht feucht gehalteter Boden gibt den Samen eine gute Basis zum Wachsen.

Ernten!

Der Schönste Lohn für Gärtnermühen ist beim Wachsen der Pflanzen zuzusehen und schliesslich auch zu ernten. Manche Kräuter lieben es, zurückgeschnitten zu werden und vom schönsten und leckersten Gemüse kann man sich Samen für das nächste Jahr zurücklegen. Viel Spass!

Zu Besuch beim Kartoffelkombinat

Zu Besuch beim Kartoffelkombinat

Im Raum München haben sich Stadtbewohner zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen und bauen gemeinschaftlich Gemüse für den Eigenbedarf an. Das Kartoffelkombinat. Von der Idee bis zur Umsetzung ist ein Jahr vergangen und das Interesse ist so groß, dass der erste Anbauhof bereits nicht ausreicht, alle Genonssen und Genossinen zu versorgen. Ich meldete mich zu einem Besuch an. Da ich weiss, dass beim Gärtnern immer eine helfende Hand gebraucht wird, half ich heute das geerntete Gemüse in Kisten zu verpacken die an alle Mitglieder geschickt werden.

Der Genossenschaftsgedanke des Kartoffelkombinats lebt von der Mitarbeit der Mitglieder die sich somit gemeinschaftlich selbst mit Gemüse versorgen. Dadurch können sie eine Unabhängigkeit von industriellen Nahrungsmittelkonzernen erreichen. Wer selbst einmal eine Gemüsepflanze in den Boden gesetzt, ihr beim Wachsen zugesehen und geerntet hat weiss, wie wertvoll und schön dieses Privileg ist. Das Zubereiten und Essen dieses Gemüses ist etwas ganz besonderes. In meiner Küche duftet es schon nach Kartoffeln und den Mangold werde ich gleich probieren. Lest Ihr solange mal im Blog von Kartoffelkombinat.

Buchtipp: Quickfinder Biogarten

Buchtipp: Quickfinder Biogarten

Ein Garten geht mit dem Rhytmus der Natur. Auch für Gärtner ist es wichtig, ihre Aktivitäten den Jahreszeiten anzupassen Bauernregeln und traditionelle Jahresfeste zeigen uns an, welche Aktivitäten in welchem Monat wichtig sind. Am Besten hält man sich an erfahrene Gärtner, die in ihrer Arbeit den Rhytmus der Natur integriert haben. Das neue Buch der Gärtner Melanie Grabner (lilatomate) und Ludwig Watschong (alte-kulturpflanzen) führt uns durch einen phänologischen Naturkalender und erklärt einzelne Schritte des biologischen Gärtnerns. Ein wertvoller Schatz im Bücherregal.

 

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