Neuigkeiten aus Nicaragua

Neuigkeiten aus Nicaragua

Liebe Freunde,

 

mein Herzensprojekt aus Nicaragua, das Kinder-Kunstprojekt „Artepintura“, hat eine neue Webseite. Nun wird Jairo und sein Team regelmäßig auf Deutsch, Englich und/oder Spanisch über die tägliche Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen berichten. Lest mehr auf:

https://artepinturanica.wordpress.com/

Spenden für das Projekt werden gerne weiterhin weitergeleitet, meldet Euch einfach bei mir, wenn ihr etwas spenden wollt. Auch kleine Beträge helfen, viel zu bewegen!

 

 

Die Oecofinca La Tuani

Die Oecofinca La Tuani

An der Westküste Nicaraguas, zwischen Masaya und den Vulkanbergen und Lagunen liegt eine kleine Finca mit Zitronenhainen, Bananenstauden, riesigen Avocadobäumen und einem kleinen, sich ökologisch entwickelten Regenwald. In den Jahren 2011 und 2012 habe ich dort gewohnt und die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft gestaltet. In dieser Zeit haben uns einige Freunde besucht und bei der täglichen Arbeit geholfen.

Die erste Besucherin, Lisa berichtet über ihren Aufenthalt auf der Finca:

„Die Finca steht auf einer Anhöhe mitten in einem schönen Waldgebiet mit Bananen – Avocado – Zitronen und Orangenplantagen.

Mangobäume und Palmen säumen den Weg und Kolibris, Schmetterlinge freuen sich über eine reiche Blumenvielfalt. Zusammen mit Grillen, zeitweise auch mal ein Schwein, oder Hühnchen vom Nachbarn bildet es ein kleines Paradies.

Ich habe mich gleich wohlgefühlt und genoss die Ruhe, kombiniert mit einem einfachen Fincaleben. Wir ernteten zusammen Zitronen die gerade reif waren und die später auf dem Markt von Diriamba verkauft werden sollten.

Durch Martinas Wissen und den unzähligen Erklärungen, über die verschiedenen Pflanzen und die Natur habe ich nicht nur staunen dürfen, sondern habe auch verstanden wie und wofür eine Pflanze wächst. Und so haben wir auch die hauseigene Aloe Vera benutzt, um Wunden zu heilen und leichte Sonnenbrände zu lindern.“

Wer in Nicaragua unterwegs ist und einige Zeit im Besucherhäuschen wohnen möchte und den Alltag auf einem tropischen Bauernhof erleben möchte, einfach bei Henry anrufen und nachfragen: (00505) 84637870 movistar oder (00505) 86456761 claro.

Weiter Lesen über ökologische Landwirtschaft und Aufforstung in den Tropen

Vorbereitungen zum Bilderwettbewerb in Nicaragua

Vorbereitungen zum Bilderwettbewerb in Nicaragua

Derzeit bereiten sich die Kinder vom Kunstprojekt Artepintura in Nicaragua auf den großen Bilderwettbewerb vor. Die Preisverkündung wird am 31. Oktober 2014 stattfinden. Wie jedes Jahr ist dieses Datum eine Höhepunkt der Gruppe und die Kinder zeigen ihre Bilder, spielen Musik und zeigen wunderschöne Tanzdarbietungen. Dieses Jahr ist das Thema: “ Meine Rechte und Pflichten in der Gemeinschaft“. Am Programm Artepintura nehmen 300 Kinder in 5 ländlichen Gemeinden teil. Der regelmäßige Kunstunterricht durch freiwillige Jugendliche fördert das Gemeinschaftsgefühl, bietet Umweltbildung und fördert das Selbstvertrauen der Kinder, die sonst nicht viel Möglichkeiten einer Freizeitbeschäftigung haben.

Sie sind noch auf der Suche nach Sponsoren für Farbe und Papier, damit sie am Wettbewerb teilnehmen können. Wer sich mit einem kleinen Beitrag beteiligen möchte, bitte melden!

Mehr Informationen und Bilder gibt es jetzt auf der neuen Facebookfanseite von Artepintura

Landart – Schnee & Stille, Kunst & Knirschen

Landart – Schnee & Stille, Kunst & Knirschen

Fotos: Lothar Forstmair

Am Wochenende vom 7. bis 9. Februar 2014 zogen zwölf Teilnehmer der NAJU Bayern (Naturschutzjugend im LBV) auf zum Seminar „Landart – Schnee & Stille, Kunst & Knirschen“. In einer Selbstversorgerhütte im Graswangtal machten wir es uns gemütlich. Wir erkundeten die Schneelandschaft der bayerischen Alpen.

Zu Beginn wurden unsere Sinne für die Stille der Natur sensibilisiert. Durch die sanfte und klare Anleitung von Christina Diana Wenderoth, fiel es uns leicht, in einen kreativen Fluss zu kommen. Inspiriert von einer farbenfrohen Geschichte ließ sie uns Farben in der Natur sammeln und auf ein „weißes Blatt Papier“ auf Schnee anordnen. Es entstand ein wunderschönes Naturbild aus Blättern, Moos, Holzstückchen und Früchten mit feinen Farbübergängen. Dann lud uns eine zugefrorene Pfütze ein, Kunstwerke aus Eis und Schnee zu Formen. Die Sonne spielte mit unseren Werken und zauberte eine magisches Lichtspiel… bis sie schließlich schmolzen.

Auf einer Wegstrecke am trockenen Flusslauf entstand ein „Naturfleckerlteppich“, eine Kombination aus verschiedenen Feldern, gefärbt mit buntem Naturmaterial: Zweige, Steine, Federn, Blätter, ein Schattenspiel… Anschließend durften wir in Zweiergruppen einen Sessel aus Schnee modellieren daraus in der zweiten Aufgabe, schweigend, ein Musikinstrument formen. Das spannende daran war, herauszufinden, welches Musikinstrument der andere vor hat zu bauen.

Am Sonntagmorgen hatten wir in einem zweistündigen „Freilandatelier“ Zeit, unsere eigenen Kunstwerke zu gestalten. In der anschließenden Vernissage bestaunten wir die Schöpfungen. Ein Mandala aus schwimmenden Blättern, eine umgefallene Wurzel, die plötzlich aussah wie ein Wolf, der mit offenen Augen schläft. Ein Fließbild aus Blättern und Zweigen und eine Mauer aus Schneeblöcken, durch deren Muster die Sonne in vielen Facetten schien. Eingeschmiegt in die schöne Landschaft sahen unsere Kunstwerke besonders beeindruckend aus.

Mir half das Seminar, zur Natur, zu Ruhe und zu mir selbst zu finden. Nach drei Tagen in der Stille der Natur fühlte ich eine tiefe Ruhe und Zufriedenheit in mir. Wir alle fanden ein wenig Entschleunigung und konnten in der Natur auftanken. Landart ist eine Methode, durch die Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene auf einfache Weise in Kontakt mit der Natur treten können. Durch Kreativität wird ein Bewusstsein für die Vielfalt der Materialien und Lebewesen der Natur geschaffen. Dies bildet einen wichtigen Grundstock in der Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Mehr zum Thema Landart auf der Facebookgruppe „Landart“ und auf der Seite von Christina Diana Wenderoth: www.naturkunstundspiel.de

Von ihr eine Herzliche Einladung zu den nächsten Seminarterminen:

Landart & Naturgenuss

Landart-Tage zum Kennenlernen, Eintauchen, Vertiefen & Genießen
Mit allen Sinnen begegnen Sie der Natur in jeder Jahreszeit: leuchtenden Blättern, vielfältigen Steinen & biegsamen Ästen und Gräsern… Die Naturmaterialien inspirieren; sie laden ein, selbst aktiv zu werden und die eigene oft ungeahnte Kreativität (wieder-) zu entdecken: Landart-Kunstwerke entstehen mit den bloßen Händen, Zeitlosigkeit stellt sich ein und Sie tanken Ruhe, Kraft, die sich nachhaltig auf Ihren Alltag auswirken kann. Einfache Mittel & die Großzügigkeit und Freiheit der Natur begleiten Sie an diesem Tag.

Daten: Sonntag, 11. Mai 2014, Mangfall-Tal, Nähe Holzkirchen: „Landart im UrLaubWald an der Mangfall“
Sonntag 25. Mai 2014, Nürnberg: „Landart-MaiGrün“Samstag 05. Juli 2014, Ottobrunnn bei München: Landart-Tag für Eltern und Pädagogen (in Kooperation mit der vhs SüdOst, dort gesonderte Anmeldebedingungen, www.vhs-suedost.de Kursnr 12430, Gebühr: 65 Euro)
Sonntag 20. Juli 2014, Raum München, ggf. Berge/Obb.: „Landart-Leichtigkeit des Sommers“
Weitere Termine in Planung
Zeit: 10 – 17 Uhr

Preis: 60 € bis 130 € nach Selbsteinschätzung / EinkommenStornogebühr: bei Absage ab dem 14.Tag vor der Veranstaltung fällt eine Stornogebühr von 30 € an, ab dem 7. Tag vor der Veranstaltung fallen 60 € anAnmeldung/Informationen: Christina Diana Wenderoth, Tel. 089 / 271 25 18, info (at) naturkunstundspiel.de www.naturkunstundspiel.de

 

Nachhaltige Unternehmensführung: Naturschutz hautnah

Nachhaltige Unternehmensführung: Naturschutz hautnah

„Tagpfauenauge auf einer Blumenwiese“ Foto: Martina Flörchinger

Die Meinung, dass sich eine nachhaltige Unternehmensführung sich nachteilig für das Unternehmen auswirkt ist weit verbreitet. Dabei ergeben sich so viele positive Nebenwirkungen, dass es sich unterm Strich für ein Unternehmen lohnt, nachhaltig zu handeln.

  • Naturschutz

Seit Beginn der Industrialisierung und der Intensivierung der Landwirtschaft verlieren Tier- und Pflanzenarten mehr und mehr natürlichen Lebensraum. Viele von ihnen flüchten in die Stadt. Die Entwicklung wird also dahingehend sein, dass die Natur näher vor unserer Haustür stattfindet. Folglich sollte auch der Naturschutz direkt vor unserer Haustür stattfinden. Dies sind oft unscheinbare Stellen: Unterstützung der Wildblumenvielfalt auf der Wiese am Rande des Parkplatzes, ein Schleiereulennistplatz oder Fledermauskästen im Dach einer Lagerhalle, Bäume pflanzen auf dem Firmengelände.

Nehmen Sie Verbindung zur regionalen Naturschutzgruppe auf (von NABU oder BUND). In diesen Gruppen befinden sich viele Experten, die über die zu schützenden Arten Bescheid wissen. Hier können Sie zu geeigneten Schutz- und Pflegemaßnahmen informiert werden.

Direktere Nähe von natürlichen Elementen wirkt sich positiv auf das lokale Mikroklima auf dem Firmengelände aus und Ihre Mitarbeiter können sich in den Pausen besser erholen.

  • Umweltschutz

Der Begriff der Nachhaltigkeit kommt aus der Waldwirtschaft und bedeutet, dass wir nur so viel von einem Ökosystem entnehmen, wie auf natürliche Weise nachwachsen kann. Ähnlich kann dies auch im Bezug auf Büromaterial, Strom, Wasser und andere Rohstoffe gesehen werden. Dabei ist ein nachhaltiges Resourcenmanagement auch stets wirtschaftlich von Vorteil. Durch Optimierung der IT-Struktur können Stromkosten gespart werden. Durch die Reduktion von Papier in Büroprozessen können enorme Materialkosten eingespart werden.

  • Netzwerk

Für viele Firmen bedeutet Nachhaltigkeit, auf die Bedingungen der Partner und Zulieferer Rücksicht zu nehmen. Eine nachhaltige Partnerbindung bietet Sicherheit auf beiden Seiten. Zudem hat man die Möglichkeit, mit den Zulieferern, Beispielsweise von Rohstoffen aus dem Ausland, Gespräche zu führen um deren Bedingungen zu verbessern. Dies wird mit einem einem fairen und stabilen Preis belohnt.

Oft sieht die Realität anders aus, denn auch faire Unternehmen unterliegen dem Marktgesetz der Konkurrenz und des günstigsten Angebots. Wenn also die Vorteile der gesparten Ressourcen nicht ausreichen, muss der Preis des Produktes angepasst werden. Diese Preiserhöhung muss gegenüber dem Kunden begründet werden. Wichtig ist daher, die gesteigerten nachhaltigen Tätigkeiten den Kunden mitzuteilen.

  • Kommunikation

Ihre Kunden können nur von Ihrem Engagement erfahren, wenn Sie es kommunizieren. Eine ehrliche Darstellung und überzeugendes nachhaltiges Handeln bewirkt eine nachhaltige Kundenbindung und Vertrauen von Seiten neuer Kunden. Auf diese Weise ist auch der Bestand Ihres Unternehmens nachhaltig gesichert.

Wenn Sie persönliche Beratung für Ihr Unternehmen bekommen wollen, nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf.

Kunst für eine gerechtere Welt

Kunst für eine gerechtere Welt

Im Februar habe ich mit einen Näherin aus Nicaragua gesprochen, die in einer großen Fabrik arbeitet. Sie beschrieb mir ihr hartes Leben und über ihre Träume, ihre eigene Situation zu verbessern. Nun möchte ich ihr helfen und ihr eine Startfinanzierung für die Nähmaschine geben. Dafür brauche ich noch Hilfe! Wer etwas direkt an das Projet spenden möchte, bitte eine email an gartentor(ät)gartenelfen.de schreiben, ich sag Bescheid, wie das möglich ist.

Alexandra Martin vom Kronschatz hilft uns mit ihrer Kunst: Für den Kauf einer Märchen-CD spendet sie 2 Euro an das Projekt!!

www.kronschatz.de

 

 

Eine besondere, alltägliche Geschichte

Du erzählst gerne Geschichten?“ fragte mich mein Freund Jairo, der Kunst- und Musiklehrer vom Projekt Artepintura in ländlichen Gemeinden Nicaraguas. „Ja“ antwortete ich. „Vielleicht magst du einer Geschichte lauschen, die noch nicht viele Menschen ausserhalb Nicaraguas kennen. Eine Geschichte, die das Leben schreibt, erzählt von einer Frau, die in der „Zona Franca“ arbeitet, der Freihandelszone direkt neben unserer Gemeinde. Unser Projekt hatte schon öfters Besuch aus Nordamerika und oft haben sich die Besucher und Besucherinnen mit den Frauen zusammengesetzt und einfach nur ihrer Geschichte gelauscht. Den Frauen scheint es sehr gut zu tun, wenn sie sich jemanden ausserhalb der Gemeinde anvertrauen können. Ausserdem scheinen sie auf diese Weise ihre berechtigte Angst vor Ausländern zu verlieren, gewinnen somit Selbstvertrauen.“

Ein Gespräch im Garten

Das gefiel mir. Und somit bat ich Jairo, mir den Kontakt zu einer der Frauen herzustellen. Er lud Doña Mari Cruz ein. Nun sitzen wir also in seinem schönen Garten, zwischen Mangobäumen, Bananenstauden und Mandarinensträuchern. Die Hühner gackern und die Papageien kreischen, der Wind weht durch die Blätter. Die Frau, die mir gegenüber sitzt lächelt mich an und mit ihren leuchtenden Augen erzählt sie mir von ihrer Arbeit. Ihre Fröhlichkeit zeigt mir, wie sehr sie ihre Arbeit liebt, trotz Allem.
Ich begann in einer Zona Franca als ‘Auxiladora’, als Nothelferin, das bedeutet, ich war dafür zuständig, die Maschinen der Näherinnen mit Stoffstücken, Eitiketten, Gummis, Fäden zu beliefern, damit sie nicht aufstehen mussten. Jede Reihe von 30 Frauen hatten die Aufgabe, 50.000 Stücke am Tag zu nähen. Ich musste all diese Stücke auf rechts drehen. Kannst du dir vorstellen, 50.000 Hemden am Tag auf Rechts zu drehen? Mein Rücken schmerzte sehr am Ende des Tages. Wir arbeiten von 7:45 bis 5 Uhr nachmittags, mittags geben sie uns 20 Minuten Pause.

Wir verdienen 120 Cordoba am Tag, das sind vier Euro. Überstunden zahlen sie gut, ein Euro pro Stunde, also hängten wir oft noch ein paar Stunden dran. Wenn gerade eine Eilbestellung anstand, arbeiteten wir sogar die Nacht durch und am nächsten Tag weiter um den Container mit Kleidern zu füllen. Wir beeilten uns, arbeiteten alle so schnell es ging, um endlich die Bestellung fertig zu bekommen. Um endlich nach Hause gehen zu können.“ Ich frage sie, ob sie nach so einem Marathon einen Tag frei bekommen. „Wir dürfen nach Hause, sobald die Bestellung fertig ist, doch am nächsten Tag geht die Arbeit wie gewohnt weiter.

Vom Regen in die Traufe

Diese Arbeit als Nothelferin war mir zu stressig, ich kündigte nach eineinhalb Jahren und begann in einer anderen Zone. Hier wurden wir für fertiges Stück bezahlt, direkt neben unserer Nähmaschine stand ein Computer, der unsere Effizienz berechnete. Wenn wir auf Toilette mussten, wurde die Effizienz herabgesetzt. Ich schaffte nie mehr als 85% Effizienz. Oft luden sie mich ins Büro ein und sagten, ich müsste endlich die 100% Effizienz schaffen. Diesen Druck hielt ich acht Monate aus, dann kündigte ich.

Kaffeearmut

Ich war also wieder zu Hause, ohne Essen, nichts zu kaufen für meine sechs Söhne. Wir zogen in den Norden, um Kaffee zu pflücken. Meine Kinder bei mir zog ich durch die Kaffeeplantagen, hielt Kälte aus und Hunger, versuchte so viel wie möglich zu pflücken, schaffte aber nur 3 Kisten am Tag. Jede Kiste wiegt ca. fünf Kilo und wird mit 16 Cordoba belohnt, 50 Cent. Davon konnte ich nicht leben.

Etikettentausch

Es war also wieder Zeit, meine Papiere zusammenzusuchen, für eine Bewerbung in der Zone brauchen wir ein polizeiliches Führungszeugnis, ein Empfehlungsschreiben, Fotos. Ich kehrte zur ersten Fabrik zurück, diesmal als Näherin. Hier arbeite ich nun seit fünf Jahren. Wir nähen Hosen und Hemden, oft Monate lang das gleiche Modell. Für jedes Land gibt es ein anderes Markenetikett, also je nachdem von wo die Bestellung ist. In Deutschland heisst die Hose anders als in USA, Panama oder Japan. Einmal ist mir in all der Eile ein Fehler unterlaufen, ich habe die falschen Etiketten angenäht. Mir fiel es nach 500 Hosen auf. Mein Chef hat mich übelst geschimpft, ich weiss jetzt noch, ich bin an der Nähmaschine zusammengebrochen und habe bitter geweint. Dann musste ich alle Nähte aufmachen, die Etiketten werden mit einer Doppelnaht in die Hose eingenäht, und alle 500 Stücke neu nähen.
Ohne Krankenversicherung
Drei mal ist es mir passiert, dass ich beim Nähen bewusstlos wurde, ich bin jedes Mal im Krankenhaus wieder aufgewacht. Mein Herz wurde mit der Zeit schwach und auch meine Lunge, ich nehme 200 Tabletten im Monat. Was ich kaum aushalte zur Zeit ist der Druck in meinem Hals durch die Stofffussel, denn gerade bearbeiten wir ein besonders faseriges Material mit vielen Fusseln. Durch meine Herzkrankheit kann ich keine Maske tragen und daher kann ich mich nicht davor schützen. Wenn ich morgens krank bin, geh ich trotzdem zur Arbeit, denn sonst bekomme ich den Tag nicht bezahlt. Ich habe zwar eine Krankenversicherung, doch diese deckt nur zwei Stunden Arztbesuch, nicht den Arbeitsausfall bei Krankheit.

Für die Kinder

Auch wenn ich wenig verdiene, ich möchte doch gerne arbeiten, um meinen Kindern etwas geben zu können. Ich bin sehr froh über das Kinderkunstprojekt in unserer Gemeinde, mein jüngerer Sohn ist sehr begeistert von den Unterrichtsstunden und seit dem auch motivierter in der Schule.

Ein Traum

Ich möchte meine Stelle kündigen und von der kleinen Abfindung, die man mir zahlen wird, eine Nähmaschine kaufen. Ich besitze bereits eine Nähmaschine, da muss nur ein Teil ersetzt werden. Dann möchte ich Kleidungsstücke nähen für die Menschen aus der Gemeinde. Einen Rock für die Freundin, so wie er ihr gefällt, eine Bluse taillieren, vielleicht etwas selbst entwerfen. Mein Sohn, der achtzehnjährige Dani erzählte mir einst von seinem Traum: Mama, sagte er mir, ich habe geträumt, von unserer Nähmaschine. Und da war ein grosser Tisch. Ich habe ein Kleid genäht, ein schönes Kleid. Es war blassrosa und hatte eine Kreuznaht mit Spitze. Der Rock war dreifaltig, wie ein Schnabel und besonders…“
Doña Mari Cruz erzählt mir alle Details vom Traumkleid ihres Sohnes, benutzt dabei allerhand Fachbegriffe, die glaub ich nicht mal auf deutsch verstehen würde und ihre Augen leuchten beim Erzählen. Dann sagt sie mir, dass Dani sicherlich erst dann Ruhe geben wird, wenn er dieses Kleid geschneidert hat und dass sie sich wünschen würde, mit ihm zusammen eine Schneiderei aufzumachen. Sie möchte noch ein bisschen weiter in der Zone arbeiten, um zu lernen, wie man Schnitte macht, wie ein Muster auf Papier gebracht wird. Solange, sagt sie, wird sie sich weiter opfern, um leben zu können.

Na klar

Viele meiner Leser werden unbewusst denken: ‘Na klar, das ist ja auch in einem armen Land, hier leben arme Menschen. Das ist normal für sie, so zu arbeiten.’ Ich bin niemandem böse deswegen, es ist unsere Form zu denken, um all dies irgendwie rechtfertigen zu können. Ich habe auch so gedacht, häufig. Doch nun, nach fast zwei Jahren Leben unter den Menschen hier, wird mir buchstäblich bewusst: Nein. Für niemand ist es normal, so zu arbeiten. Diese Menschen besitzen die gleiche Würde, die gleichen Träume, die gleichen Bedürfnisse wie jeder Mensch auf der Welt und sollte auch die gleichen Rechte haben. Vielleicht erinnern sich meine Leser beim nächsten Kauf eines Kleidungsstücks an die Näherinnen, die es gefertigt haben, egal in welchem Land. Ich persönlich wünsche Doña Mari Cruz und ihrer Familie alles Gute auf ihrem Weg in die Selbständigkeit.

Nachhaltigkeit und die faule Rechnung der Gewinne

Nachhaltigkeit und die faule Rechnung der Gewinne

Unternehmer achten auf Zahlen. Gewinnmaximierung. Umsatzsteigerung. Natürlich ist dies wichtig für uns, unsere Wirtschaft soll florieren, den Unternehmen soll es gut gehen, wir wollen ja „davon leben“. Doch wovon der Eine leben kann, kann in der wahren Rechnung auf der anderen Seite auch jemanden zu Grunde richten. Die indische Saatgutaktivistin Vandana Shiva rechnet es in ihrem Buch „Geraubte Ernte“ auf, dass Gewinne im Bereich einiger Wirtschaftschefs oft Verluste in mehrfacher Höhe durch Ausbeutung und Belastung von Umwelt und Mensch mit sich trägt. Diese Verluste werden von uns allen getragen.

Ein vermeintlich wirtschaftliches Projekt stellt sich somit auf langfristige Weise betrachtet, als ein wahres Verlustprojekt heraus. Aus diesem Grund gefällt mir der Begriff „Nachhaltigkeit“, weil es die Langlebigkeit und endlose Reproduzierbarkeit eines Projektes in den Fokus stellt, kein Abgrasen und „nach mir die Sintflut“. Natürlich, wie so viele passenden Begriffe in der Wirtschaftsökologie wird auch die „Nachhaltigkeit“ für alles verwendet, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.

Aber, um ehrlich zu sein habe ich mittlerweile die nicaraguanische Gelassenheit in mir, die mir sagt: Ein wirklich nachhaltiges Unternehmen ist daran erkennbar, dass es krisenfest ist und nicht mit abgegrasten Ressourcen untergeht. Also sag ich mal ganz lässig: Die Zeit wird schon zeigen, wer wirklich nachhaltig handelt und danach noch da ist. Die Herausforderungen unserer Zeit sind zu erkennen, welches Wirtschaftsmodel sich nicht hält und den Kurs rechtzeitig umzusteuern.